Samstag, 4. Juni 2011

Erklärungsversuche

Es wird wohl Zeit, dass ich mich mal wieder melde.

Nun ist es ja wirklich nicht mehr lange, bis ich Schweden wieder verlassen muss und nach Deutschland komme. Und auch wenn immer noch nicht die Zeit für einen “alles war so toll”-Post gekommen ist will ich mit diesem Eintrag versuchen zu erklären wie es ist, einen Platz, an dem man 10 Monate lang gelebt hat, wieder verlassen zu müssen.

Ich habe mir hier ein Leben aufgebaut, ich habe Freunde, eine zweite Familie und ich bin hier absolut im schwedischen Leben integriert. Das alles hier war immerhin 10 Monate mein Leben. Es wird für immer ein Teil meines Lebens bleiben, denn ich habe diese 10 Monate meines Leben wirklich hier verbracht. Für viele Leute ist es unverständlich, dass Austauschschüler sich so in das Land und die Euphorie hineinsteigern, aber diese Leute verstehen auch nicht, was es heißt, wenn man sich für 10 Monate von zu Hause verabschieden muss und ein neues Leben irgendwo anders aufbaut.

Auf der anderen Seite freue ich mich riesig auf Deutschland. Ich denke daran, dass ich in Deutschland alle meine Freunde und meine Familie habe, die auf einen warten und sich auf mich freuen. Und ihr glaubt mir gar nicht wie sehr auch ich mich auf alle freue. Ich habe immerhin alle seit 10 Monaten nicht mehr gesehen!

10 Monate sind eine lange Zeit. Wenn ich aber zurück denke an den Tag, an dem ich vor 10 Monaten Deutschland verlassen habe, dann kommt mir das so nah vor. War es nicht erst gestern, dass ich am Frankfurter Flughafen stand und meiner Familie und meiner besten Freundin Tschüss sagen musste?

Und genau diese Situation des Abschiedes werde ich nun wieder haben…wieder einmal heißt es Tschüss sagen…Abschied von meinen Freunden und meiner Familie hier. Ich hatte gestern meine Abschiedsfeier mit ein paar aus meinen Klassen und es war einfach wunderbar. Zur Zeit ist alles genauso wie es sein soll und jetzt muss ich auf einmal gehen…Genauso wie es in Deutschland war. Auf einmal war alles so perfekt und ich musste gehen.

Aber wie heißt es so schön?: Man soll dann aufhören, wenn’s am schönsten ist! Und dieses Sprichwort stimmt auch. Ich will Schweden immerhin in guten Erinnerungen behalten und nicht an meine letzten Tage als Grauen denken. Und wenn ich länger bleiben würde, dann bestünde auch wieder die Gefahr, dass es wieder schlechter wird. Besser als es jetzt ist geht es einfach nicht und es könnte nicht für immer so bleiben. So versuche ich mich immer wieder aufzuheitern, wenn ich an den Abschied von Schweden denke.

Diese ganzen Abschiedsgedanken sind also nicht nur Freude auf Deutschland. Es ist auch nicht nur Traurigkeit, dass ich Schweden verlassen muss. Es ist beides auf einmal, aber wie soll man dieses Gefühl allen erklären? Die Leute in Deutschland wollen hören, dass ich mich unglaublich auf Deutschland freue (was ich auch wirklich tue). Die Schweden wollen hören, dass ich nicht aus Schweden weg will (was allerdings auch stimmt).

Ich könnte jetzt noch tausende Absätze schreiben über das, was ich im Moment fühle, aber das würde dann wirklich zu lang werden. Ich hatte nur das Gefühl, dass ich diese Situation einfach mal klarstellen musste…

Bis in 15 Tagen, liebes Deutschland! Smiley

3 Kommentare:

Luisa hat gesagt…

Wunderschöner Post, ich finde es unglaublich, wie du deine Gefühle immer beschreiben kannst, ich überlege jedesmal, wie ich soetwas ausdrücken würde! Ich verfolge deinen Blog wirklich sehr gern.

Liebe Grüße,
Luisa

Luisa hat gesagt…

Das werde ich natürlich machen. Ich hoffe, dass das nicht irgendwie verloren geht. Schweden macht glücklich, das stimmt! Jedes Mal wenn wir in Schweden waren, hatte ich eine so wunderschöne Zeit.

Liebe Grüße,
Luisa

mum hat gesagt…

Ja alles was du schreibst ist war ...auch ich kenne diese ganzen Gefühle da ich oft im Ausland lebte. Aber irgendwann im Alter findet man seinen Platz ..aber du bist noch jung und so lebe deine Träume...Kuss HDL mum

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